Insolvenzen

Mit 17 % mehr Firmeninsolvenzen als 2008 rechnen die Wirtschaftsexperten im Jahr 2009 (35.000 Pleiten). Jobs gehen verloren, wenn den Insolvenzverwaltern die fachliche Kompetenz fehlt. Firmen abwickeln ist ein lohnendes Geschäft, an dem viele mitverdienen wollen. Berufsanfänger ohne Sanierungserfahrung. Wirtschaftsprüfer und Anwälte tummeln sich auf dem in Deutschland nicht funktionierenden Markt der Firmeninsolvenzen. Ein Mandant sollte immer an den besten Sanierer gehen, aber Kriterien mit denen man die Fähigkeiten eines Insolvenzverwalters messen könnte, gibt es nicht. Wer sich am besten verkaufen kann, erhält von den Amtsrichtern die Aufträge, ohne Vorkenntnisse über die insolvente Firma zu haben. So scheitern zwangsläufig viele Sanierungen und viele Arbeitsplätze gehen verloren. Das fehlende Hintergrundwissen der Sanierer über eine Pleitefirma lässt Firmen oftmals keine Chance, vielleicht doch noch gerettet zu werden. Für Gläubiger könnten mehr als zwölf Milliarden Euro Verluste durch unfähige Insolvenzverwalter, die ihre Möglichkeiten nicht ausschöpfen, entstehen.

Deutschland hat die schlechtesten Ergebnisse der Insolvenzverwaltung, aber weltweit das beste Insolvenzgesetz. Theorie und Praxis klaffen wie so oft auseinander. Klinken putzen auf den Gerichten für einen Auftrag, ohne Unterschied, ob erfahrene und erprobte Sanierer mit guten Ergebnissen oder eben ohne. Alleine eine gleichmäßige Verteilung auf alle Kanzleien im Ort kommt es an. Einer zu fürchtenden Klage wegen Benachteiligung bei einer Bestellung gehen die Richter mit dieser Praxis aus dem Weg. Auf die Interessen der Unternehmen wird dabei nur wenig geachtet. Der Weg des geringsten Widerstandes wird gewählt, da die Richter selbst sehr oft bei der Auswahl der Kandidaten unter Druck geraten. Die Frage nach Abschlussnoten reicht schon, um selbst Beklagter zu werden. 

Am schwersten kalkulierbar in diesem Geschäft ist die Auftragsbeschaffung. Gläubiger erwarten, dass Experten sich um insolvente Firmen kümmern, ihre Interessen kompetent vertreten werden. Juristen als Insolvenzverwalter, denn die Richter glauben wohl, die können alles. Aber die betriebswirtschaftliche Ausbildung ist doch wohl die Grundlage, ein Wirtschaftsunternehmen erfolgreich aus der Insolvenz zu führen. Aber es gibt kaum Kriterien für die Vorbildung eines Verwalters.

Die Insolvenzordnung schreibt vor, Verwalter müssen geschäftskundig sein und eine unabhängige natürliche Person gegenüber Gläubiger und Schuldner sein. Um an Aufträge heranzukommen, soll eine „Belohnung“ der Richter im großen Stiel möglich sein. Um derartige Deals zu erschweren, hat das Bundesverfassungsgericht verfügt, dass keine geschlossenen Listen bei den Amtsgerichten geführt werden dürfen. Die gleichzeitig geforderten Qualifizierungsstandards gibt es bis heute nicht, somit ist auch eine Auswahl aus den offen geführten Listen nach bestens geeigneten Verwaltern zusätzlich erschwert.

Inzwischen gibt es einige wenige Richter, die sich auf Insolvenzrecht spezialisiert haben. Erst wenn ein Insolvenzverfahren überhaupt eröffnet wird, besteht die Chance, Ansprüche der Gläubiger zu befriedigen und Arbeitsplätze zu erhalten. Damit es dazu kommt, muss der vorläufig bestellte Verwalter ordentlich was leisten. Substanz im Unternehmen ausfindig machen. Regional sind die Erfolgsquoten einer Insolvenzeröffnung sehr unterschiedlich. Ursache hierfür kann nicht alleine die Unkenntnis der Unternehmen über die Möglichkeiten der Insolvenzverwalter sein. Stillschweigende Übereinkünfte für Firmensterben könnten eine Ursache sein. Der Verwalter bekommt sein Honorar sowieso. Ärger und Arbeit werden verhindert.

Die Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie wird den deutschen Verwaltern Konkurrenz aus dem Ausland bringen, denn es wird nicht mehr ein Verwalter aus der nahen Umgebung des Unternehmens gestellt werden müssen. Überlegungen, wie eine Zulassung eines Verwalters geregelt werden kann, gibt es bereits im Bundesjustizministerium. Eignungsprüfungen oder Lizenzen stehen im Blickpunkt.

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